[sic!]: Solo Impro Cabaret - Weltpremiere @BühnenRausch
- zebit6
- 26. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 10 Stunden
Anfang März hatte [sic!] im Bühnenrausch in Berlin Premiere. Ein Soloabend, der sich bewusst gegen das absichert, was Theater oft so bequem macht: Vorbereitung, Kontrolle, Wiederholbarkeit.
Stattdessen: kein Text, kein doppelter Boden.
Ein paar Impulse, ein Rad des Schicksals – und die Entscheidung, den Abend wirklich erst auf der Bühne entstehen zu lassen.

Das Risiko dabei ist offensichtlich. Ein abendfüllendes Impro-Solo funktioniert nur, wenn das Publikum bereit ist, diesen Weg mitzugehen.
An diesem Abend war genau das der Fall. Der Raum war voll, die Aufmerksamkeit hoch, und ziemlich schnell entstand dieses seltene Einverständnis: Wir schauen nicht zu, wir erleben das hier gemeinsam.
Was folgte, war kein stringenter Plot und auch keine klassische Dramaturgie. Eher ein offenes System. Szenen, die sich gegenseitig aufgeladen haben. Figuren, die kurz auftauchten und Spuren hinterließen. Momente, die ins Leere liefen – und genau dadurch neue Richtungen geöffnet haben.
Gerade darin lag die Stärke des Abends: nicht alles auflösen zu müssen. Dinge stehen lassen zu können. Widersprüche auszuhalten.
Mit auf der Bühne: Marc Schmolling. Seine Musik war kein „Untermalen“, sondern ein Gegenüber. Mal treibend, mal störend, mal rettend im genau richtigen Moment. Dieses Zusammenspiel hat den Abend nicht begleitet, sondern entscheidend geprägt.
Nach über 15 Jahren Improvisation war dieses Format ein logischer nächster Schritt – und gleichzeitig ein Sprung. Ein Solo über die gesamte Länge trägt nur, wenn Vertrauen da ist: in die eigene Erfahrung, ins Material – und ins Publikum.
Die Premiere hat gezeigt, dass genau das funktioniert. Dass ein Abend ohne Netz nicht automatisch ins Beliebige kippt, sondern im Gegenteil eine eigene Klarheit entwickeln kann.
Oder anders gesagt:
Es ist möglich, ohne Plan auf die Bühne zu gehen – und einen ganzen Abend daraus zu machen.
Weitere Shows sind nicht nur geplant, sondern notwendig.


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